Der Internationale Frauentag kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Am 19. März 1911 wurde er das erste Mal gefeiert - eingeführt von Kommunisten und auf dem Rücken internationaler Kämpfe von Textilarbeiterinnen. Diese Kämpfe fielen zusammen mit dem Kampf um ein Frauenwahlrecht, das in Deutschland zuerst nach der Novemberrevolution 1918 eingeführt wurde. Vorangetrieben wurde die Einführung eines Frauentags zuerst von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin, die ihn auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen vorschlug.

Für uns ist der 8. März ein Tag der internationalen Solidarität und des Kampfes.

Wir als Sozialisten kämpfen nicht für die Befreiung der Frau allein. Wir suchen nicht den Kampf der Frau gegen den Mann. Wir kämpfen für die Befreiung der Frauen und Männer unserer Klasse – der Arbeiterklasse.

Niedriglöhne, Armutsrenten, Privatisierungen und Zeitarbeit machen nach dem Geschlecht keinen Unterschied. Sie treffen uns gleichermaßen. Unsere gemeinsamen Interessen erfahren wir jeden Tag auf der Arbeit ganz deutlich. Jeder von uns, egal welches Geschlecht, welche Nation oder welche Hautfarbe, kann von einer Welt frei von Ausbeutung nur profitieren. Nur gemeinsam können wir sie gewinnen.

Interview mit Fatima Hazaarath,
ehem. Altenpflegerin in Hamburg

Wir haben uns mit Fatima Hazaarath getroffen. Fatima lebt in Hamburg. Sie war früher Altenpflegerin und macht heute eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Erzieherin. Fatima will uns ihre Geschichte erzählen.

„Ich bin Fatima Hazaarath. Heute lebe ich in Hamburg, aber eigentlich komme ich aus dem Sudan. Dort wurde ich mit vier Jahren von meiner Mutter zur Adoption freigegeben. Sie hatte eine Affäre mit einem anderen Mann, was im Sudan – einer streng muslimischen Region – strikt bestraft wird. Ich musste von zuhause weg. In einem Haushalt reicherer Menschen habe ich von da an hart gearbeitet. Ich musste kiloweise Essen zubereiten und konnte nie vor Sonnenuntergang duschen. Erst durch eine Heirat mit einem zehn Jahre älteren Mann, von dem ich heute getrennt bin, war es mir möglich von dort wegzukommen.“

Etwas später bist du nach Deutschland gekommen. Wann war das, und wie ging es hier weiter?

„Im März 2009 bin ich nach Deutschland gekommen. Ich wollte Kindergärtnerin werden, aber mein Schulabschluss wurde nicht anerkannt. Mein Mann hat nebenher Catering gemacht um über die Runden zu kommen. Eine fünfjährige Ausbildung ohne Bezahlung, das wäre nicht gegangen! So bin ich als Ungelernte in die Altenpflege gekommen und habe später die Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht.“

Wie ist es dir in der Altenpflege ergangen?

„Anfangs haben die Menschen mir Dankbarkeit für meine Arbeit gezeigt. Mit der Zeit wurde das aber immer schlechter. Manche Bewohner haben mir gesagt, dass jemand mit meiner Hautfarbe nicht hierher gehört. „Neger“ und „Du gehörst in die Küche, Kartoffeln schälen“ hat man mir gesagt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich nunmal hier bin und sie doch ihren Dreck auch nicht selbst wegmachen wollen, oder? Immer schlimmer wurden solche Angriffe in der Zeit der „Flüchtlingswelle“. Ich wurde nicht mehr nur auf der Arbeit angegriffen, sondern auch auf der Straße.

Eines Tages wurde ich dann auf der Arbeit von einem älteren Mann angegriffen. Er hat mir im Badezimmer an den Hintern gefasst und ich habe ihm gesagt „Bitte lassen Sie
das!“. Er wurde aggressiv, ist auf mich losgegangen und hat mich verprügelt. Immer wieder kommt es in diesem Beruf zu sexueller Belästigung.“

Was könnte man machen, um das Problem zu lösen?

„Es ist wichtig, dass wir darüber sprechen. In der Schicht sind wir meistens allein – der Personalmangel ist eine Katastrophe in der Pflege! Dann kommt immer die Zeitarbeit. Die Kollegen aus der Stammbelegschaft sind überlastet, melden sich krank, und ihre Bezahlung ist beschissen. Die Zeitarbeiter kriegen dann 14 oder 15 Euro die Stunde. Unsere Kollegen 10. Wie ungerecht ist das? Zeitarbeit gehört abgeschafft!“

Wo siehst du die Probleme mit der Zeitarbeit?

„Zeitarbeiter haben keine Bindung zum Beruf, sie denken sich „Wenn ich morgen nicht mehr da bin, ist mir das auch egal“. Sie kennen sich mit der Übergabe nicht aus, machen keine Dokumentation. So kann man nicht professionell arbeiten. Und Pflege ist mehr als Po abwischen! Wenn du keine Fachkraft bist, darfst du in dem Beruf vieles nicht machen. Zum Beispiel: Am Montag werden die Verbände gewechselt. Jetzt arbeitet aber ein Pflegehelfer. Er hat die Ausbildung nicht, also darf er keine Verbände wechseln. Obwohl der Verband vielleicht jeden Tag gewechselt werden muss. Das ist einfach Unterversorgung!“

Welche Auswirkungen hat das auf die Altenpflege?

„Die Pflegeheime laufen irgendwie, aber die Bewohner werden aggressiv. Jeden Tag kommt jemand neues, das ist Stress für ältere Menschen. Und für die Kollegen ist das auch eine Katastrophe. Du hast kein Team mehr mit dem du arbeitest. Dazu kommt der Personalmangel. Oft hast du so viele Aufgaben auf einmal: Hier sollst du ein Hemd wechseln, da alle im Blick behalten und dort Brote schmieren, das Geschirr und den Müll abräumen. Du bist Altenpfleger und Servicekraft in einem. Und wenn du das nicht schaffst kriegst du eine auf den Deckel. Vom Chef, und die Angehörigen wundern sich dann, warum die Kleidung nicht gewechselt wurde. Aber das geht auch gar nicht!“

Wir bedanken uns bei Fatima für das Gespräch und wünschen ihr alles Gute!

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