Die Corona-Pandemie hat klar gemacht, was für verheerende Folgen die Sparpolitik für die Gesundheitsyssteme in Europa hatte und zeigt die harte Realität der privaten Krankenversicherungen für die Bevölkerung in den USA. Jetzt gibt es die Gefahr, dass Afrika der neue Krisenherd der Pandemie wird, sagt die WHO, dies könnte zu einer noch größeren Katastrophe als in Europa und der USA führen.

Gesundheitskrise in Afrika

Afrika ist mit 1,3 Milliarden Einwohnern der am zweit dichtesten besiedelte Kontinent der Welt und hat die am schnellsten steigende Rate an Urbanisierung. 

Seit 2018 leben 40% der Afrikaner in Städten und es wird geschätzt, dass diese Nummer bis 2030 auf 50% steigt. Es wachsen riesige urbane Zentren mit Millionen von Einwohnern an. Unter den größten und wichtigsten sind Lagos (21 Millionen), Kairo (20,4 Millionen), Kinshasa (14,2 Millionen), Johannesburg (10, 5 Millionen) und Nairobi (9,4).

Die Entwicklung des Kapitalismus in Afrika hat nicht nur zur Ausbreitung der Monokulturen für geldbringende Exporte ins Ausland geführt, welche durch den Imperialismus aufgezwungen wurden, sondern auch zur Kontrolle der Agrarkultur durch große biotechnologische Multinationale Konzerne wie Bayer-Monsanto.

Diese Konzerne patentieren ihre genetisch modifizierte Saat und zwingen die Landwirte jedes Jahr neue Saat und Schädlingsbekämpfungsmittel zu kaufen so treiben sie mehr und mehr Kleinbauern in den Ruin. Kombiniert mit den durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen- Dürren, Fluten und Heuschreckenplagen wie die die Ernte in Ost Afrika zerstört- sind dies die Faktoren des Kapitalismus welche einen immer größer werdende Teil der Bauern in die Städte drängt. In der Stadt werden Bauern, meist junge Bauern, Teil der armen Masse, welche zwischen prekären Jobs und Arbeitslosigkeit pendelt.

Durch den Mangel an öffentlichen Investitionen und Stadtplanung in den afrikanischen Staaten werden alle Aspekte des sozialen Lebens der „privaten Initiative“ überlassen. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen ist in den Städten nicht gesichert mit Barackensiedlung welche sich kilometerweit erstrecken, winzigen Häuser in denen dutzende von Menschen zusammenleben müssen weite Gebiete ohne sauberes Wasser, Rohrleitungen oder Abwassersystemen, Straßenmärkten voller Menschen, chaotischem Straßenverkehr und die durch ihn entstandene Luftverschmutzung. In Lagos sind Infektionen der Atemwege die Haupttodesursache und das wird auch das Schicksal anderer afrikanischer Städte sein.

Ein weiteres Problem in der Bekämpfung von Krankheiten ist der mangelnde Zugang zu Trinkwasser, besonders in ländlichen Gebieten. Nach Zahlen der WHO haben in den 35 Ländern welche zu „Subsahara-Afrika“ gezählt werden nur 20% der Bevölkerung Zugang zu trinkbarem Wasser. Die anderen 80% müssen, manchmal stundenlang laufen, um Trinkbares Wasser zu holen und ein Teil der Bevölkerung hat keine andere Wahl als verschmutztes Wasser zu trinken. Schon einfache Vorsichtsmaßnahmen wie Händewaschen sind dadurch unmöglich.

Weder „social distancing“ noch ein Lockdown könnten in Afrika sowie in Europa stattfinden. Nach Schätzungen des IWF sind 34% der Wirtschaft in Afrika „informell“, diese Zahl beläuft sich in Ägypten auf über 50%, in Nigeria 65% und in Kenia auf unglaubliche 83%. Das bedeutet das die Arbeiter in vielen afrikanischen Ländern täglich, wöchentlich oder lediglich durch Waren bezahlt werden ohne jegliche Arbeitsrechte. Diese Tatsache würde ein Anhalten der Wirtschaft ohne eine dadurch resultierende Hungersnot innerhalb der Arbeiterklasse unmöglich machen. Arme Familien sind für Lebensmittel und andere lebensnotwendigen Güter auf Straßenmärkte angewiesen, was „social distancing“ unmöglich macht.

In den meisten afrikanischen Länder ist das Gesundheitssystem sehr eingeschränkt. Im schlimmsten Fall besteht es nur aus den Überbleibseln der kolonialen Gesundheitsversorgung, welche Jahrzehnte alt ist und nur auf die kleine, europäische Bevölkerung der Kolonialisierer ausgelegt war. Im besten, aber seltenen, Fall gibt es private Krankenhäuser die gut genug ausgestattet sind um der Corona-Pandemie Stand zu halten welche aber nur einer kleinen Minderheit der Reichen vorbehalten sind. Es ist keine Überraschung das die herrschende Klasse Afrikas nach Europa reist, wenn sie Zugang zur Gesundheitsversorgung braucht.

Für den größten Teil der Bevölkerung ist es eine Ausnahmesituation überhaupt einen Arzt zu Gesicht zu bekommen.
Tatsächlich findet man in Afrika die größte Konzentration von Ländern mit der geringsten Dichte von Ärzten auf je tausend Einwohner. Laut WHO hatte Libyen mit 2.16 Ärzten pro tausend Einwohnern die besten Zahlen. Aber nach der NATO-Intervention, dem Bürgerkrieg und sektiererischer Konflikte welche die Revolution von 2011 in einem Blutbad enden lies ist das Land in Trümmern. Sogar in dem meist industrialisierten Land des Kontinents, Südafrika, beläuft sich die Zahl auf nur 0.91 Ärzte auf tausend Einwohner und in mehr als 20 Ländern reicht diese Zahl nicht einmal auf 0.1. Zum Vergleich in Italien und Spanien, welche beide verheerend vom Coronavirus getroffen wurden belaufen sich die Zahlen auf 4.09 und 4.07.

Die Anzahl an vorhandenen Krankenhausbetten verbessert die Situation kein bisschen. In mehr als 20 Ländern, unter ihnen auch Nigeria, beläuft sich die Zahl der vorhandenen Betten nicht einmal auf eins auf tausend Einwohner. In Südafrika beträgt die Zahl 2.8 Betten.

Es sollte erwähnt werden, dass diese Krankenhäuser veraltet und nicht ausreichend ausgestattet sind außerdem sind sie oft Stromausfällen ausgesetzt, welche die Konservierung von Medizin und das Aufrechterhalten von Beatmungsmaschinen und Infusorpumpe erschweren diese sind notwendig um Covid-19 Patienten zu behandeln. Dazu kommt noch, dass das fragile Gesundheitssystem schon mit anderen Krankheiten belastet ist. Wie Malaria, was der Grund für den Tod von durchschnittlich 3000 Kindern täglich in ganz Afrika ist; AIDS, was jährlich mehr als 1 Millionen Menschen in Afrika tötet und Ebola, welches gerade eine Krankheitsausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat. Dazu kommen Cholera, die Masern, Tuberkulose, die ständige Gefahr von Zika Ausbrüchen... die Liste ist endlos. Zu sagen, das Afrika in einer konstanten Gesundheitskrise ist wäre nicht übertrieben. Unter diesen horrenden Umständen steht der Kontinent der Coronavirus Pandemie entgegen.

Mitte/ Ende April, als dieser Artikel geschrieben wurde betrug sich die Nummer der gemeldeten Infektionen auf nur ca. 30 000 aber wir haben mehr als genug Gründe um davon auszugehen das sich die Situation jeder Zeit plötzlich ändern könnte und sich in eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes verwandeln wird. Die WHO sagt 10 Millionen Infektionen in den nächsten 3 bis 6 Monaten voraus und im schlimmsten Fall bis zu 3.3 Millionen Tode allein in diesem Jahr.

Die Antwort der afrikanischen Regierungen

Die Reaktion der afrikanischen Regierungen ähnelt der der europäischen. Vom großen und industrialisierten Südafrika bis zum kleinen und ländlichen Guinea-Bissau sind alle Flughäfen und Landesgrenzen geschlossen, Quarantänen werden ausgerufen inklusive eingeschränkter Bewegungsfreiheit und Notstand. Es werden nicht genügend Menschen getestet stattdessen wird nur wieder und wieder zum Händewaschen aufgerufen… aber nichts wird getan um der Bevölkerung ausreichend Wohnraum und eine angemessene Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen.
In Afrika, genauso wie in Europa, rufen die Regierungschefs zu „nationalem Zusammenhalt“ und zur „Selbstaufopferung“ auf während sie die Interessen des imperialistischen Kapitals wahren winken sie Massenentlassungen durch und benutzen diese „Sondermaßnahmen“ um Arbeiter zu unterdrücken und vorzeitig wieder zur normalen Produktion zurück zu kehren.

In Südafrika, einem der Länder mit den meisten bekannten Fällen, hat neben dem Aufruf zum „nationalen Zusammenhalt“ der Präsident, Cyril Ramaphosa, die Verbrechenswelle im Land moralisch verurteilt. Während er Krokodilstränen für die Frauen, welche in der Pandemie misshandelt oder vergewaltigt wurden weinte nutzte er die Gelegenheit um Verbrechen aus Not wie das Stehlen von Lebensmitteln und Strom auf die gleiche Stufe zu stellen während er die brutale Gewalt durch die Polizei komplett ignoriert.

Am 10. April berichtete Aljazeera das in Kenia die Polizeigewalt tödlicher war als der Virus. In der Hauptstadt, Nairobi, erreichte die Gewalt ein fürchterliches Niveau als es eine Schießerei durch die Polizei in einem armen Viertel gab unter den Opfern war auch ein 13-jähriges Kind. In allen großen, afrikanischen Städten findet das Gleiche statt: Arbeiter, Straßenverkäufer und Arme Menschen egal ob alt oder Kinder werden brutal von der Polizei misshandelt.

Diese Gewalt durch den Staat ist kein Zufall, sondern ein Mittel der herrschenden Klasse auf der ganzen Welt um Angst in den unterdrückten Massen zu schüren und einen Volksaufstand durch diese Gesundheitskrise im Keim zu ersticken.

Ein Kontinent zwischen Revolution und Konterrevolution

In Afrika, so wie in den meisten neokolonialen Ländern, sind die Funktionäre der “Non-Governmental Organisations” (NGOs) ein bedeutender Teil des Kleinbürgertums, sie sind eine gut bezahlte Armee von Bürokraten und Söldnern, welche sehr nützlich für die Kapitalisten ist. Die NGOs agieren nicht nur als Ersatz zur Massenorganisation und wirken somit wie ein soziales Betäubungsmittel, sondern übernehmen auch Aufgaben welche eigentlich die Staaten übernehmen sollte, diese können aber nicht einmal sicherstellen das die nötige Infrastruktur, um natürliche Ressourcen auszubeuten wie beispielsweise Straßen ausgebaut werden. Finanziert durch öffentliche Gelder und philanthropischen Spenden bereiten sie einige Regionen darauf vor dieses imperialistische Kapital zu bekommen. Was die Kirche für den Kolonialismus ist, sind die NGOs für den Neokolonialismus

Die Ideologie dieser Organisationen, welche mit der der reformistischen Linken verwoben ist, kommt aus dem Drehbuch der imperialistischen Bourgeoise welches sie seit Jahrzehnten verbreiten und welches Medienunternehmen überall ausstrahlen. Nach ihrer Propaganda ist Afrika schlimmer als die Hölle und afrikanische Arbeiter und Bauern sind die passiven, hilflosen Opfer ihrer korrupten Regierungen.

Die Armut, welche in dieser Propaganda dargestellt wird, ist unbestreitbar wie wir schon klar gemacht haben. Aber dieses Bild eines nackten, schwarzen, hilflosen Kontinentes der vor der Wohltätigkeit der „entwickelten“ und weißen Ländern kniet ist ein ideologischer Angriff auf die Arbeiter in aller Welt.

Es ist eine Lüge der bourgeoisen Ideologie, dass die Unterentwicklung der afrikanischen Länder von bösartigen Herrschern, „kulturellen Besonderheiten“ oder sonstiger Sachen dieser Art stammt. Der eigentliche Grund dafür ist die Stellung, welche diese Länder in der internationalen Arbeitsteilung des Kapitalistischen Systems einnehmen. Welche, wann, wie und für wen Waren hergestellt werden wird in Washington, London, Brüssel und zunehmend in Beijing entschieden… und zwar im Interesse des imperialistischen Kapitals.

Die politische Kontrolle über afrikanische Staaten passiert im Gegenzug zu einer Schlinge aus Schulden. Die IWF Kredite sind unbezahlbar und werden nur unter Zustimmung zu „wirtschaftlichen Anpassungen“ gewährt. Diese bedeuten Liberalisierung der ganzen Wirtschaft, Privatisierung, Kürzung öffentlicher Ausgaben und so weiter.

In letzter Instanz wird die Position der afrikanischen Länder in der kapitalistischen Ordnung durch die Gewalt der Polizei, nationalen Armeen oder als letzter Ausweg durch die Armeen imperialistischer Länder den „Blauhelmen“ und NATO aufrechterhalten.

So etwas haben wir beispielsweise im August 2012 in Südafrika gesehen. Ein Arbeiterstreik für bessere Löhne in Marikana endete mit dem Tod von 40 Arbeitern durch Maschinengewehre der Polizei um die Profite von Lonmin, dem britischen multinationalem Unternehmen, welche die Mienen in dieser Region ausbeutet, zu schützen. Beispiele für ähnliche Vorfälle gibt es auch für die übrigen 53 Länder.
Es ist eine Lüge afrikanische Leute als passive Opfer darzustellen. Das afrikanische Volk war federführend in außerordentlichen Revolutionen und der Kontinent ist permanent zwischen Revolution und Konterrevolutionen hinuntergerissen

Der „arabische Frühling“ trat gleich nach der Rezession von 2008 los und breitete sich schnell im mittleren Osten aus und war ein wichtiges Vorbild für den Klassenkampf in Europa. In Algerien, Tunesien, Ägypten und Libyen gab es Massendemonstrationen und revolutionäre Konflikte welche Jahrzehnte lange Regimes binnen weniger Tage stürzten. Es wurden große Schritte in Richtung Sozialismus gemacht mit Arbeiter und Bauernkomitees, die in mehreren Ländern sprießten.

Vom „arabischen Frühling“ bis 2019 haben sich Streiks —wie der in Marikana — und Massenbewegungen— wie beispielsweise die riesige Studentenbewegung gegen Studiengebühren in Südafrika #FeesMustFall— auf dem ganzen Kontinent ausgebreitet. Der 8. März, der Frauentag, ist von Frauenmärschen in vielen afrikanischen Städten geprägt. Schlussendlich haben massive Demonstrationen 2019 zum Sturz der algerischen Regierung geführt und eine Zeit des revolutionären Konflikts führte im Sudan zur Besetzung von öffentlichen Plätzen und Beschäftigungsstellen und stürzte die 30-jährige Regierung Omar al-Bashirs.

Wir Marxisten wissen das man auf die revolutionäre und kreative Kraft der Arbeiterklasse und armen Bauernschicht in Afrika vertrauen kann.

Die Kräfte des internationalen Marxismus müssen in Afrika aufgebaut werden!

Die afrikanische Jugend, welche die Große Rezession von 2008 durchlebt hat, wird nun die größte Krise in der Geschichte des Kapitalismus erleben. Davon abgesehen wie groß die Auswirkungen von Corona Pandemie auf Afrika sein werden, warnte der IWF schon das diese Krise „kein Land auslassen wird“. Die Schlussfolgerungen aus vorangegangenen Klassenkämpfen in Afrika, wie beispielsweise dem „arabischen Frühling“, dem revolutionärem Konflikt in Burkina Faso und aktueller in Algerien und im Sudan, werden in der nächsten Zeit gefestigt und unter der unterdrücktesten und am meisten ausgebeuteten Jugend des jüngsten Kontinents der Welt, mit 60% der Bevölkerung unter 25, vertieft werden.

Ähnlich wie die revolutionäre Welle, welche durch Latein Amerika ging, haben die Erfahrungen der Arbeiter und Bauernkämpfe klar gemacht, dass die revolutionäre Entschlossenheit der unterdrückten Massen stark genug ist um dutzende von Revolutionen zu gewinnen. Aber es wurde auch klar wie wichtig eine revolutionäre Partei für den Triumph der sozialistischen Revolution ist. Ohne die Organisation der Arbeiter und Unterdrückten in einer Partei bewaffnet mit einem marxistischen Programm und großem Einfluss ist es unmöglich für sie den Kampf zu gewinnen.

Die herrschende Klasse hat in jedem revolutionären Konflikt im vergangenen Jahrzehnt erlebt wie ihnen die Macht aus den Händen gerissen wurde und ist sich der Gefahr, welche eine kapitalistische Krise mit sich bringt, bewusst. Bis jetzt konnte sie die Kontrolle noch zurück gewinnen unter großem Ungleichgewicht und ständig sinkendem Selbstbewusstsein. Die nächste Zeit wird voller Möglichkeiten sein die Gesellschaft zu wandeln.

Um das zu erreichen muss eine revolutionäre Partei mit einem marxistischem Programm aufgebaut werden, welche die Kraft der afrikanischen Massen kanalisieren kann um den Kapitalismus zu stürzen und die Barbarei welche den Kontinent verwüsten zu beenden um eine neue Welt auf zu bauen!

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