Die Last von Corona-Pandemie und Wirtschaftskrise trifft die arbeitende Klasse hart. Besonders im Brennpunkt stehen gerade Pflegeberufe wie auch Sozial- und Erziehungsdienste – Berufe, die als „klassische Frauenberufe“ bekannt sind: im sozialen Bereich, außerhalb der Produktion und Industrie, häufig zu niedrigeren Löhnen. Demgegenüber sind Arbeiterinnen in unserer kapitalistischen Gesellschaft in klassisch besser bezahlten Berufe wie in Metallbau, -erzeugung und –bearbeitung mit rund 91 Prozent männlichen Kollegen unterrepräsentiert. Was das zur Folge hat, kennen wir alle aus den öffentlich bekannten Statistiken: Frauen machen zwei Drittel der Beschäftigten im Niedriglohnsektor aus, erhalten ein Fünftel weniger Lohn und im Alter durchschnittlich 45 Prozent weniger Rente als ihre männlichen Kollegen.

 Emanzipation – nicht ohne Arbeit, Löhne und Wohnraum!

Bürgerliche Hollywood-Feministinnen wie Oprah Winfrey, Beyoncé oder Emma Watson stellen es häufig so dar, als sei die Unterdrückung der Frau nur mit besserer Einsicht zu überwinden: Die Gesellschaft müsste nur „verstehen“, dass Frauen nicht unterdrückt werden sollen und ihr Verhalten ändern. Aber wie soll die Gewalt an Frauen und ihre Unterdrückung aufhören, wenn die Berufe, in denen zum größten Teil Frauen beschäftigt sind, kaum für ein unabhängiges Leben reichen, geschweige denn wenn noch Kinder zu versorgen sind? Nach einer Statistik des Bundesverbandes der Frauennotrufe haben Männer nach einer Scheidung sieben Prozent weniger Einkommen als davor. Bei Frauen sind es im Schnitt 44 Prozent. Für Frauen, die oftmals schon in der Ehe von ihrem Mann finanziell abhängig sind, stellt eine Trennung eine existenzielle Bedrohung dar. So ist es kein Wunder, wenn Frauen in gewalttätigen Beziehungen bleiben, da ihnen sonst der finanzielle Ruin droht. Die Unterdrückung der Frau ist ein strukturelles Problem, das mit dem Kapitalismus zusammenhängt!

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Werbeplakat von Dr. Oetker, 1950, BRD

Auch das klischeehafte Bild der Frau, die an den Herd gehört und für die Erziehung der Kinder zuständig ist, ist nicht bloß durch Tradition oder Kultur zu erklären. Es ist ein Bild, das auf der Position der Frau in der Klassengesellschaft basiert, und nur mit eben jener zu beseitigen ist. Die herrschende Klasse hat gute Gründe dafür als Feigenblatt Frauenquoten in Vorständen einzuführen und die Masse der arbeitenden Frauen in den eigenen vier Wänden abhängig von Männern und ihrem Einkommen versauern zu lassen. Nicht nur, dass höhere und gleiche Löhne für Frauen die Profite von Kapitalisten schmälern würden, sondern auch, dass die gesellschaftliche Aufgabe von öffentlicher Kinderbetreuung ins individuelle Private verlagert wird, spart den Herrschenden jährlich Milliarden.

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Frau im VEB Chemiewerk Coswig bedient an der Seite ihres Kollegen einen industriellen Hochleistungsofen (DDR)

Gleichzeitig gibt es etliche historische Beispiele dafür, dass Frauen als Lohndrücker in bestimmten Wirtschaftsbereichen ausgenutzt werden. Schlechter bezahlte Arbeit wird häufig von Frauen erledigt, weil sie eher in finanzielle Notlagen geraten, sie müssen häufiger Minijobs verrichten, in denen kein Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, usw. besteht, das drückt wiederum die Löhne für alle Beschäftigten und übt einen höheren Druck aus, sich nicht aufzulehnen, weil man schnell ersetzt werden kann durch jemanden, der den Job für weniger Geld macht.

Diese Politik von „Teile und Herrsche“ schadet uns Allen – und sollte von uns gemeinsam bekämpft werden!

Bürgerliche Feministinnen kritisieren den „Sexismus“, ohne dass sie sonst an der Gesellschaft etwas ändern wollen. Beyoncé nennt sich Feministin, und bezahlt Näherinnen in Sri Lanka einen Hungerlohn – was für ein Sinnbild auf den bürgerlichen Feminismus! Nur in einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen ökonomisch gleichberechtigt sind und es keine Klasse gibt, die sie ausbeutet, ist die Befreiung der Frau möglich.

Rechte gewinnen wir nur im Kampf!

Auch auf die derzeitige Wirtschaftskrise werden soziale Kürzungen und Stellenstreichungen folgen – chronische Probleme im Kapitalismus, die die Lage der Frauen weiter verschlimmern. Bürgerliche Feministinnen wollen uns erklären, der Feminismus sei der radikalste, der in seiner Ablehnung der Männer am weitesten geht. Für die arbeitende Frau erscheint das Problem völlig anders: Wir können unsere Unterdrückung nur überwinden, wenn wir an der Seite unserer Kollegen egal welchen Geschlechts oder welcher Herkunft gegen unsere Ausbeutung, ebenso wie gegen frauenfeindliche Vorurteile vorgehen. Wenn wir die Macht der Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter im gemeinsamen Kampf nutzen, um gegen unsere Unterdrückung anzukämpfen. Denn Emanzipation geht nicht ohne ökonomische Gleichstellung – und die kann es ohne den Kampf zwischen den Klassen nicht geben.

Wir sehen es in der Pandemie ganz deutlich in den Kliniken: Das medienwirksame Tamtam um die „systemrelevanten Helden“ in der Pflege hat wenig an den schlechten Arbeitsbedingungen geändert. Im Gegenteil wird sogar während der Pandemie immer mehr Kurzarbeit auch für Pflegekräfte angemeldet, zum Beispiel bei privaten Trägern wie Paracelsus oder der Schön Klinik. Das bringt für alle Pflegekräfte – rund drei Viertel von ihnen sind Frauen – weitere ökonomische Einbußen mit sich.

Für uns Arbeiterinnen geht aus unseren Problemen direkt hervor, dass unsere Befreiung nur im gemeinsamen Kampf erreicht werden kann. Das ist die Voraussetzung für eine echte Gleichstellung der Geschlechter. Starke gemeinsame Kämpfe von Frauen und Männern der Arbeiterklasse, die an den Lebensbedingungen unterdrückter Frauen grundlegend etwas änderten, gab es in der Geschichte immer wieder. Der Revolutionär Leo Trotzki beschreibt den Mut der Kämpferinnen in „Geschichte der Russischen Revolution“ folgendermaßen:

„Eine große Rolle in den Beziehungen zwischen Arbeitern und Soldaten spielen die Frauen, die Arbeiterinnen. Kühner als die Männer bedrängen sie die Soldatenkette, greifen mit den Händen an die Gewehre, flehen, befehlen fast: ›Wendet eure Bajonette weg, schließt euch uns an!‹ Die Soldaten sind erregt, beschämt, sehen sich unruhig an, schwanken, irgendeiner fasst als erster Mut – und die Bajonette erheben sich über die Schultern der Bedränger (…)“

Die streikenden Textilarbeiterinnen in Petrogard haben damals die Lawine losgetreten, die das Ende des Krieges forderte und den Zarismus wegfegte. Das ist bis heute unser Vorbild – der gemeinsame Kampf von Frauen und Männern als Klasse gegen Unterdrückung und Kapitalismus.

Auch heute ist ein gemeinsamer und entschlossener Kampf möglich! Wir fordern Frauenstreiks am 8. März, bei denen die Gewerkschaften Kolleginnen und Kollegen mobilisieren, um gemeinsam für gleiche und höhere Löhne, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen! Wir fordern Frauenstreiks am 8. März, bei denen die Gewerkschaften Kolleginnen und Kollegen mobilisieren, um gemeinsam für gleiche und höhere Löhne, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen! Wir fordern kostenlose, ganztägige Kinderbetreuung und öffentliche Kantinen in jeder Nachbarschaft und gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit! Für ein Ende der Unterdrückung der Frau – für ein Ende des Kapitalismus!

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